Ahoi liebe Freunde,

ich wollte kurz berichten über eine wundervolle Begebenheit, die ich diesen Montag erlebt habe und die mich sehr berührt hat. In Bremen (und auch weltweit) gibt es eine tolle Non-Profit-Organisation, die tolle Aktionen zum Wohle der Stadt und ihrer Menschen initiieren – Serve the City. Einmal im Jahr engagieren sich unterschiedlichste Menschen ehrenamtlich eine Woche lang und renovieren, verschönern und räumen öffentliche Plätze auf oder besuchen Menschen in Krankenhäusern, diakonischen Einrichtungen, Knästen und Altersheimen oder unternehmen Ausflüge mit Kindern aus Flüchtlingsheimen und sehr vieles mehr. Jeder kann und ist herzlich eingeladen da mitzumachen.
Außerdem gibt es einmal im Jahr eine Aktion gemeinsam mit der Bremer Suppenküche und der Sterneköchin Luka Lübke, wo direkt auf dem Bremer Bahnhofsvorplatz für alle Menschen kostenfrei gekocht wird, ob für Weiterreisende, für Passanten oder Obdachlose. Irgendwie ein charmanter Ort der Begegnung, wo unterschiedlichste Menschen sich auf einer Ebene – dem Esstisch – begegnen, ganz unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund. Mein Bekannter Jens sagte: so muss das Abendmahl auch gewesen sein. An einem Tisch gemeinsam sitzen, schnacken, sich stärken und vielleicht tiefer gehen. So war es auch diesen Montag, den 14. Juli und während die Menschen auf das zubereitete Essen warteten, wurde ein bisschen Musik gespielt von unterschiedlichsten Künstlern. Arabische und afrikanische Musik war zu hören und mittendrin war ich auch. Hatte meine Klampfe dabei und hab für die Menschen dort gesungen, hauptsächlich Obdachlose. Am Anfang konnte ich die Situation nur schwer einschätzen, was mich sehr verunsicherte, aber nach dem ersten Lied klatschten alle und lächelten. Ich sah müde Gesichter, sehr tiefe Falten und teilweise keine Zähne, aber ihr Lächeln schenkten sie mir. Ab und zu hörte ich Kommentare: „Danke“ und „weiterspielen“. War schon toll da mittendrin zu sein und auch irgendwie für die Menschen da zu sein. Hab mich aber nicht so recht getraut zu sagen, was ich den Menschen eigentlich ehrlich sagen wollte, nämlich, dass sie toll sind. Ich stelle mir vor, dass sie es nicht so oft hören, wenn sie auf der Straße sind und auch ihr Selbstbild ist kein positives. Wer weiß schon, warum diese Menschen auf der Straße sind. Aber weil sie da sind, will ich lernen ihnen Worte der Wertschätzung zu sagen und sagen ist noch zu wenig, da sein und helfen wäre angemessen. Und da merke ich mal wieder, wie wenig erwachsen ich für dieses Leben bin, denn vor der eigenen Haustür ist der Anfang. Die Welt und das Leid in ihr ist aber so viel größer! Das berührt mich sehr!
Als meine Frau und ich das Essen verließen und uns Richtung Zuhause bewegten, erschallte plötzlich Musik zum Essen. Die Klänge waren so vertraut. Einer meiner Lieblingssongs erschallte über den ganzen Bahnhofsvorplatz: Gungor – Beautiful Things. Man, war das ein krasser Moment für mich. Gungors Musik flasht mich schon ne ganze Zeit und jetzt so eine Aktion und diese Musik dazu. Meine Gedanken überschlugen sich. Ein Musiker aus Denver, dessen Musik zu diesem Anlass gespielt wird und 100% passt. Es gäbe keine bessere in diesem Moment. Hatte nicht auch Gungor im Lied „Cannot Keep You“ gesungen: we will find you in the streets. Und langsam dämmerte es mir: wo sollte Gott denn sonst sein, wenn nicht bei seinen Kindern, am Bahnhofsvorplatz oder sonst wo! Wohin ist Gott? hatte Nietzsche in „Der tolle Mensch“ gefragt? Nun ja, er ist mitten unter uns, ohne Kirchen, ohne Rituale, einfach da wo Menschen sind und danach suchen so zu lieben, wie Jesus geliebt hat. Am Ende bleibt diese Kernwahrheit stehen: was ihr für einen meiner geringsten Geschwister (orig. Brüder) getan habt, das habt ihr mir getan. (Mt. 25,40).

http://www.servethecity-bremen.de

http://www.weser-kurier.de/bremen_artikel,-Spitzenkoechin-bei-den-Suppenengeln-_arid,898806.html

 

 

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